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Es werden Posts vom April, 2019 angezeigt.

Fenster zur Auferstehung

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Stellt euch vor: Es ist noch dunkel hier in der Kirche. Richtig dunkel. Wir sehen vielleicht gerade die Hand vor Augen. Aber sonst: nichts. Wir sehen nichts. Wir hören. Es klopft. Es klopft wie Eisen auf Eisen. Wie Eisen auf Stein. Die Geräusche kommen von vorne, vom Altar. Es schlägt und klopft von außen gegen die Kirchenmauern. Wir lauschen und hören. Ein Schlag und noch ein Schlag. Wir hören und wir sehen ein Lichtstrahl. Seitlich vom Altar. Dort wo die große Nische ist. Die wartet schon lange auf ein Fenster. Jetzt wächst es dort. Ein Fenster aus Licht. Auch auf der anderen Seite vom Altar fällt jetzt ein Stein. Strahlt Licht in die Kirche. Stellt euch vor: Fenster zur Auferstehung. In unserer Kirche. In eurem Leben. Da kommt einer und klopft. Schlag für Schlag. Gegen das, was das Leben dunkel macht. Das Leid, dem Worte und Tränen fehlen. Gegen das, was das Leben hart macht. Die Wut auf all das, was nicht ist, wie es sein soll. Da kommt

Das Kreuz von Notre-Dame de Paris

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Das Kreuz von Notre-Dame de Paris (Foto: APA/AFP/POOL/PHILIPPE WOJAZER) Die Feuerwehrmänner stehen am Portal von Notre-Dame und schauen zum Altar. Wie übergroße Mikadostäbe liegen schwarz verkohlte Balken durcheinander vor ihnen. Hier und da qualmen sie. Der Rauchgeruch beißt in der Nase. Der Blick der Männer folgt den aufstrebenden Mauern und Pfeilern. Weit oben wölben sich Kuppeln aus Stein. Über der Vierung klafft ein riesiges Loch. Zwischen ausgefransten Steinverbünden öffnet sich der Himmel. Ein kühler Wind fällt dort hinein, wo sich bisher das Gewölbe schloss. Die Männer sind erschöpft. In den letzten Stunden haben sie gegen das Feuer gekämpft. Sie haben sich dagegen gestemmt, dass es die Kathedrale zerstört. Sie haben die Flammen gestillt. Im letzten Augenblick, gerade noch rechtzeitig, um das Gebäude zu retten. Die Außenmauern und die Türme haben standgehalten. Die unversehrten Bänke im Kirchenschiff vor ihnen laden sie ein, sich hinzusetzen und zu verschnaufen. S

Gekommen, um anderen zu dienen

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Einer trage des anderen Last (G alater 6,2). Am Anfang, wenn zwei sich das versprechen, ist das ganz leicht. Das, was es zu tragen gibt, fühlt sich ganz leicht an. Die andere über die Schwelle zu tragen, fällt leicht. Den anderen auf Händen zu tragen, fällt leicht. Zusammen fühlen sie sich leicht an, schweben zu zweit auf einer Wolke. Federleicht gehen sie hinweg über das, was sie am Boden halten könnte. Die Schmetterlinge im Bauch tragen sie empor. Später, irgendwann, kann schwer werden, was sie zu tragen haben. Der andere verliert die Arbeit und den Mut zu dem, was er kann. Die andere wird krank und verliert das Vertrauen in das, was selbstverständlich ist. Aber da ist ja noch das Versprechen vom Anfang. Es gilt. Einer trage des anderen Last. Also hält der eine die Angst der anderen vor dem Morgen aus. Und die eine trägt die Zweifel des anderen an sich selbst. So tragen sie sich gegenseitig. Mal der eine die andere, mal die eine den anderen. Was sie erstaunt: Mit jede