Dreifach Gott begegnen


Wir haben E. getauft. Wir haben sie getauft im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Das passt zu dem Sonntag heute, zum Sonntag Trinitatis. Der Sonntag feiert eine Idee: Gott ist einer, lautet die Idee. Also taufen wir im Namen Gottes.

Und Gott ist drei: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Also taufen wir im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Wir taufen im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Einprägsam ist diese so genannte trinitarische Formel.

In ihr spiegelt sich, worum es geht, heute am Sonntag Trinitatis: Gott ist einer. Gott ist drei. Gott ist einer und drei zugleich. Gott ist dreieinig. Gott ist dreifaltig.

Wir haben E. getauft im Namen dieses dreieinigen und dreifaltigen Gottes. Und ihr habt für sie einen Taufspruch ausgesucht: Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Ich finde: Auch das passt zum Sonntag heute, zum Sonntag Trinitatis. Vielleicht hilft der Taufspruch, Gott, dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist auf die Spur zu kommen.

Denn: Wenn wir über Gott reden, ist ja nicht entscheidend, herauszufinden, wie Gott an sich ist. Entscheidend ist ja, wie Gott für uns ist, wie wir Gott begegnen können.

Zum Beispiel mit Glaube können wir Gott begegnen.

E. und alle Kinder sind ja Weltentdecker. Sie entdecken sich selbst. Wie die Finger sich bewegen. Wie die Füße sich anfassen. Sie entdecken, was um sie herum ist. Das Mobile über ihrem Bett. Das Gesicht, das sie anlächelt.

Immer weiter ziehen sich die Entdeckerkreise. Da sind die Küchenschränke und was sich in ihnen alles versteckt. Da ist der Garten mit all dem, was in ihm blüht und krabbelt.

Spaziergänge ziehen sich in die Länge, weil jeder Stock aufgehoben werden muss, jeder Käfer begleitet werden muss, jede Pfütze ausgemessen werden muss.

Aber Eltern stört das gar nicht. Im Gegenteil. Sie rufen begeistert „ein Schmetterling“, sie stecken Kastanien in ihre Jackentasche und retten das Kind aus der Pfütze.

Eltern tun, was ihre Kinder tun. Sie staunen über die kleine Welt und ihre großen Wunder. Wohl der und dem, die sich das Staunen bewahren. Mit ihm kommt der Glaube.

Dass das Leben blüht, das geschieht nicht von selbst. Dass es immer noch etwas zu entdecken und zu staunen gibt, das verdankt sich jemandem.

Paul Gerhardt sucht Freude und findet sie bei Narzissus und Tulipan und Täublein und Nachtigall. Sein Herz geht aus und findet Gott, den Vater, den Schöpfer, in der Gärten schönen Zier.

Er dichtet: „Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen.

E. steht womöglich eines Tages vor dem Spiegel und entdeckt sich selbst und freut sich, dass sie da ist, so wie sie ist.

„Ich danke dir, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin“, so betet einer in der Bibel. „Wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele.“

Mit Glaube können wir Gott begegnen. Und mit Liebe.

E. und alle Kinder sind ja Liebeverschenker. Obwohl sie erst einmal auf Liebe angewiesen sind. Darauf, dass die Mutter sie anschaut, dass der Vater sie auf den Arm nimmt.

Sie schreien, wenn sie Hunger haben. Sie jaulen, wenn die Windel gewechselt werden muss. Sie nehmen sich und das, was sie brauchen, für das einzig Wichtige auf der Welt.

Aber in dem Schreien und Jaulen steckt immer auch das Vertrauen, dass sich ihnen jemand zuwendet. Da ist eine oder einer, der sie hört und nach ihnen sieht und tut, was gut tut.

Wenn es gut geht, schlagen Kinder in diesem Vertrauen tiefe Wurzeln. Ein Streit ist schnell wieder vergessen.

Auch wenn sie gern streiten, streiten Kinder nicht gern. Viel lieber sitze sie auf dem Schoß und kuscheln sich. Oder gehen in den Garten und pflücken einen wilden Blumenstrauß.

Was bleibt, ist die Liebe. Sie wurzelt im Vertrauen und reicht es als Vorschuss weiter. Sie wächst aus der Zuwendung und verschenkt sie weiter.

In dem, was die Liebe tut, begegnen wir Gott. Wo ein Mensch sich einem anderen zuwendet, ist Jesus mitten unter ihnen. Der eine verschenkt Liebe, der andere bekommt sie geschenkt. So wie Jesus sich verschenkt und geschenkt hat.

Jesus sagt: Wenn ihr euch einem Menschen zuwendet, dann wendet ihr euch mir zu. Was ihr für einen meiner Brüder oder eine meiner Schwestern tut, das tut ihr für mich.

In der Liebe begegnen wir Gott. Im 1. Johannes-Brief heißt es: Gott ist Liebe. Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

Mit Glaube können wir Gott begegnen. Und mit Liebe. Und mit Hoffnung.

E. und alle Kinder sind ja Hoffnungsträger. Sie bekommen die Hoffnung mit, die die Eltern haben: Dass das Leben so schön ist, dass aus ihm neues Leben geboren werden soll.

Dass das Leben noch schöner ist, wenn wir es mit anderen teilen. Zu zweit, zu dritt, zu viert, zu fünft.

Kinder tragen die Hoffnung auch in sich selbst. Natürlich ist da Angst. Vor der Wespe. Vor dem Hund. Vor dem Alleinsein. Aber noch mehr ist da eine fraglose Hoffnung.

Die Wespe fliegt weiter. Der Hund lässt sich streicheln. Gleich tritt jemand durch die Tür.

Die Hoffnung ist da, dass es sich immer ein Trost findet, der den Schmerz aufhebt. Der ihn wohl bewahrt, aber vor allem überwindet.

Die Hoffnung ist da, dass am Ende alles gut ist. Solange es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.

In der Hoffnung begegnen wir Gott. Die Hoffnung ist der Heilige Geist, der stets bejaht. Was nicht sein soll, wird enden. Was werden soll, wird kommen.

Die Hoffnung fegt hinein in die Zweifel. Vertreiben kann sie die Zweifel nicht, nicht immer jedenfalls. Aber sie kann ihnen ein trotziges „Dennoch!“ entgegenhalten.

Die Hoffnung fährt hinein in ein Leben, das erstarrt ist, und rüttelt es, bis es wach ist. Da wartet noch etwas!

Jesus sagt zu Nikodemus: Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist.  So ist ein jeder, durch den die Hoffnung pustet.

Glaube also und Liebe und Hoffnung. Die bleiben. Mit ihnen begegnen wir Gott. In ihnen begegnet uns Gott.

Gott, der Vater, der Schöpfer, begegnet uns in dem Glauben, dass die Welt, dass jeder einzelne Mensch trotz allem wunderbar gemacht ist.

Jesus, der Sohn, begegnet uns in der Liebe, die sich trotz allem dem Menschen zuwendet, der es braucht. Und alle brauchen es und jede und jeder ganz besonders.

Der Heilige Geist begegnet uns in der Hoffnung, die trotz allem daran fest hält, dass nichts bleiben muss, wie es ist, und dass auf dem Leben Segen liegt.

So wie der Segen auf E. liegt, die wir getauft haben. Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. 

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