Posts

Posts mit dem Label "Prophet" werden angezeigt.

Ins Gesicht sagen

Bild
„Wirksame politische Einflussnahme“ – das war in den letzten DDR-Jahren erklärtes Ziel der Staats- und Parteioberen gegenüber den Kirchen. Zu diesem Zweck luden sie in planvoller Regelmäßigkeit die Männer aus der Kirchenleitung zum Gespräch. Da saßen sich dann zum Beispiel der Stellvertreter für Inneres des Rates des Bezirkes und der Bischof gegenüber. Der Staatskader begann das Gespräch mit Ausführungen zur allgemeinen politischen Lage unter Hinweis auf die einschlägigen Beschlüsse der Partei und der Verlautbarungen des Genossen Staatsratsvorsitzenden. Danach kam er auf einzelne Probleme zu sprechen. Sie betrafen oft genug die Aktivitäten der Basisgruppen in den Gemeinden. Das waren die Gruppen, die sich mit politischen Themen wie Frieden, Umwelt und Menschenrechte befassten. In den Augen von Staat und Partei fielen sie auf, nämlich als feindlich-negative Kräfte, wie es in der Sprache der Staatssicherheit hieß. Stellten sie doch die Politik von Staat und Partei in Fra...

Ein Herz voll Erbarmen

Die Mutter hält das Kind auf ihrem Schoß, es liegt in ihrer Armbeuge. Mutter und Kind schauen sich in die Augen. Das Kind greift nach dem Handgelenk der Mutter und saugt an ihrer Brust. Die Freundinnen sind zu Besuch. Sie stehen und sitzen neben der Mutter und ihrem Kind. Die eine von ihnen hält den Brei bereit. Sie staunen unentwegt das Kind an. Es muss glücklich sein, so zufrieden wie es da liegt. Die Mutter muss glücklich sein über das Geschenk des Lebens auf ihrem Schoß. Lange hat sie auf dieses Kind gewartet. Jahr für Jahr war alle vier Wochen ihr Traum zerronnen, dass neues Leben in ihr wachsen könnte. Was hätte sie darum gegeben, endlich mit dem Warten aufhören zu können. Aber der Kopf konnte dem Herz die Hoffnung nicht ausreden, die immer wieder von neuem enttäuscht wurde. Mit der Zeit stumpfte ihr Herz ab. Der Schmerz wird schwächer, wenn er einen ständig begleitet. Aber das Fünkchen Hoffnung glomm weiter. Sie mochte und konnte es nicht austreten. Vielleicht eines Tages … ...