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Albtraum oder Traum

Papst Franziskus geht in seinem weißen Gewand eine Straße entlang. Allein, den Blick zu Boden gesenkt, offenbar langsamen Schrittes. Links und rechts von ihm erheben sich Backsteingebäude. Die Sonne scheint in Bäume, die ihr grünes Blätterkleid ins Licht halten. Im Vordergrund ist eine schwarz-weiße Schranke zu sehen. Und ein hohes Gittertor, über dem ein geschmiedeter Schriftzug hängt: „Arbeit machtfrei“. Entstanden ist das Bild am Donnerstag, als Papst Franziskus das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz besuchte. 1,1 bis 1,5 Millionen Menschen wurden im nahegelegenen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau umgebracht, die meisten von ihnen waren Juden. Die Menschen wurden aus ganz Europa in Zügen in das KZ verschleppt. Sie kamen aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Jugoslawien, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, Polen, Rumänien, aus der Sowjetunion, der Tschechoslowakei und Ungarn. Zug um Zug rollten sie ihrer Ausbeutung als Sklavenarbeiter und ihrer Er...

Lieblingsorte

Ein Strand, das Meer. Ein See, in dem sich Bäume spiegeln. Das Pferd, der Hund. Ein Ball, ein Tor. Ein Schlagzeug, eine E-Gitarre. Die Freunde. Lauter Lieblingsorte. Eine Leiter, die Himmel und Erde verbindet. Engel, die darauf hinauf- und hinabsteigen. Gott, der segnet. Und Jakob, der staunt: „Gott ist an diesem Ort, und ich wusste es nicht!“ (vgl. 1 Mose 28,10-19a).  Ein Lieblingsort ist ein Ort, an dem ich mich wohl fühle. Wenn ich an ihm bin, verändert sich etwas in mir. Die Seele wird weiter. Das Herz schlägt glücklicher. Der Puls wird ruhiger. Jakobs Puls rast, sein Herz schlägt wie verrückt. Was er im Traum erlebt, fährt ihm in sämtliche Glieder. An Schlaf ist danach nicht mehr zu denken. Zu aufgewühlt ist die Seele. Ein Lieblingsort, das ist wie eine Oase. Ich sitze auf dem Pferd, ich spiele Fußball, ich sitze am Strand. Für ein paar Augenblicke ist der Alltag weit weg und die Welt in Ordnung. Ich bin im Reinen mit mir selber. Wie mag Jakob in den...

Hunger macht böse

Familie Birnbaum aus Zittau hatte eine Geschäftsidee: Sie wollte einen Speisen-Lieferdienst aufmachen. Es fehlte ihnen nur noch ein Name. Also fanden sie sich um die Mittagszeit zum Brainstorming zusammen. Essen auf Rädern? Klingt muffig. Zittau-Imbiss? Langweilig. Birnbaum bringt's? Naja. Der Kopf rauchte, der Magen knurrte, die Stimmung schlug um. „Wenn uns nichts einfällt, können wir's gleich ganz lassen“, schimpfte Vater Birnbaum. „Ich mach' uns erst mal was zu essen“, sagte Mutter Birnbaum, „Oma hat immer gesagt: Hunger macht böse.“ „Das ist es“, sagte Vater Birnbaum: „Hunger macht böse!“ „Was ist es?“ „Das ist der Name für unser Geschäft: 'Hunger macht böse'“ Ich gebe zu: Das Gespräch ist frei erfunden. Aber Familie Birnbaum und ihren Speisen-Lieferdienst „ Hunger macht böse “, den gibt es in Zittau tatsächlich. Hunger macht böse. Das wusste nicht nur Oma Birnbaum, das erfuhren auch schon Mose und Aaron: Und es murrte die ganze Gemeinde der Israeliten wi...