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Immer dieselbe Frage

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Eben war er noch ein kleines Kind an der Brust seiner Mutter. Aber Johannes wuchs heran und nahm zu an Verstand. Und eines Tages geschah es: Da rief Gott Johannes in seinen Dienst. […] Nun zog er durch die ganze Gegend am Jordan und verkündete den Menschen: »Lasst euch taufen! Ändert euer Leben! Gott will euch eure Schuld vergeben!« Genau so steht es im Buch des Propheten Jesaja: »Eine Stimme ertönt in der Wüste: ›Macht den Weg bereit für den Herrn, ebnet ihm die Straße. Jede Schlucht soll aufgefüllt werden und jeder Berg und jeder Hügel abgetragen. Was krumm ist, muss gerade werden und die unebenen Wege eben. Alle Welt soll sehen, dass Gott die Rettung bringt.‹« Die Menschen kamen in Scharen zu Johannes heraus, um sich von ihm taufen zu lassen. Er sagte zu ihnen: »Ihr Schlangen! Wie kommt ihr darauf, dass ihr dem bevorstehenden Gericht Gottes entgeht? Zeigt durch euer Verhalten, dass ihr euer Leben wirklich ändern wollt!« Die Leute fragten Johannes: »Was sollen wir denn tu...

Die Spaßbremse - ein kleiner Dialog zum Johannistag

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Da bist du ja, Johannes, wir haben schon auf dich gewartet. Ihr Schlangen! Was? Ihr bösen Menschen! Aber Johannes, wir sind hier, um mit dir deinen Geburtstag zu feiern. Zeigt durch euer Verhalten, dass ihr euer Leben wirklich ändern wollt! Johannes! Wir wollen hier ein fröhliches Fest feiern. Und du, du... – ach, ich weiß auch nicht. Das ist es ja. Ihr wisst auch nicht. Also muss ich es euch sagen. Was musst du uns sagen? Dass ihr nicht tut, was gut ist. Aber Johannes. Das ist meine Aufgabe. Euch zu sagen: Ändert euer Leben. Aber Johannes. Heute feiern wir doch deinen Geburtstag. Da kannst du doch einmal... Auch an meinem Geburtstag ist die Welt nicht besser als sonst. Aber du könntest dich doch freuen. Wie schön, dass du geboren bist. Ihr hättet mich sonst sehr vermisst? Das glaube ich ja nicht. Naja, doch. Ach. Wer vermisst schon jemanden, der immer nur schimpft. Das klingt jetzt aber ganz schön hart. Ist doch aber auch wahr. Ehrlich g...

Johannes makes Nächstenliebe great again

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Wir feiern Johannes den Täufer, wir feiern seinen Geburtstag, wenn auch einen Tag zu früh. Die, die sich Johannes irgendwie verbunden fühlten, feierten auch seine Geburt. Acht Tage nach seinem Geburtstag haben sie sich im Tempelversammelt . Das Kind soll seinen Namen bekommen. Und es soll beschnitten werden – als Zeichen dafür, dass es in den Bund gehört, den Gott mit seinem Volk geschlossen hat. Auf der rechten Altartafel von St. Johannis in Nieblum sind sie zu sehen, die mit dem Kind in den Tempel gekommen sind. Elisabet natürlich, die Mutter, mit ihrem lang ersehnten und schon gar nicht mehr erhofften Sohn. Sie sitzt da im Tempel und gibt ihm die Brust. Das scheint niemand von den anderen dort zu stören. Vielleicht ist es einfach so alltäglich: Der Hunger eines Kindes muss gestillt werden, auch im Tempel. Gerade im Haus Gottes wird der Hunger gestillt, nach Leben, nach Segen. Vielleicht aber sind die anderen, die Männer zumal, auch mit etwas wichtigerem beschäftigt. ...

Johannes steht da und predigt

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Johannes der Täufer predigt. Er predigt, ohne etwas zu sagen. Er predigt einfach nur, indem er da steht. Überlebensgroß. Seit mehr als 500 Jahren. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts kommt die große Figur von Johannes in die Kirche, die seinen Namen trägt. Seitdem steht sie dort neben dem Altar. Und predigt. Johannes schaut. Durch das Fenster, neben dem er steht, sieht er in die Ferne. Er sieht nicht auf die, die schon hier sind. Er guckt nach denen, die noch nicht da sind. Einst die Menschen, die noch nicht getauft waren. Die an den Göttern festhielten, an die sich ihre Eltern und Großeltern hielten. Die dann aber abgelöst werden sollten durch einen Gott, dem der König vertraute und von dem die Mönche erzählten, die auf die Insel kamen. Heute sieht er denen entgegen, die über den Kirchhof gehen. Er schaut auf die, die draußen stehen bleiben und die Kamera nehmen und sich ein Bild machen. Damit sie sich später erinnern können: So sah mein Glaube einmal aus. Er sieht denen nach, di...

Das Interview

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In Sotschi trifft heute die deutsche Nationalmannschaft beim zweiten Gruppenspiel auf das schwedische Team. Unsere Reporterin Claudia Altmann ist auf der Strandpromenade der Stadt am schwarzen Meer unterwegs, um etwas von der Stimmung einzufangen. Und sie hat auch schon einen interessanten Gesprächspartner gefunden. Claudia, wie sieht es aus in Sotschi? Ein herzliches Willkommen aus Sotschi. Gut sieht es hier aus. Die Sonne scheint. Es weht ein laues Lüftchen vom Meer herüber. Die Leute sitzen in den Strandcafés. Neben mir steht Johannes Täufer. Friede sei mit dir. Und auch mit euch. Gleichfalls. Johannes – ich darf doch Johannes sagen? – Johannes, viele werden sicher überrascht sein, sie hier zu sehen. Wir wussten gar nicht, dass sie Fußball-Fan sind. Ich sag' mal: Das wusste ich bis vor kurzem auch nicht. Und ich bin selber ein wenig von meiner Begeisterung überrascht. Sie kam unverhofft über mich. Wo kommt sie denn her, diese Begeisterung? Vorsichtig form...

Wartezeit

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Samuel von Hoogstraaten, Johannes erhält im Gefängnis Christi Antwort, vor 1660 (Hamburger Kunsthalle) Der Advent ist eine gute Zeit, das Warten zu lernen oder – falls Sie es schon gelernt haben – es alle Jahre wieder zu üben. Der Advent macht das Warten nämlich einigermaßen leicht. Er erstreckt sich über eine überschaubare Zeit. Dieses Jahr fällt sie sogar extra kurz aus. Diese Zeit wird zudem dank der schönen Erfindungen von Adventskranz und Adventskalender auch noch in wartefreundliche Einheiten geteilt. Das Ende des Wartens ist jederzeit absehbar. Es rückt mit jedem geöffneten Türchen, mit jeder brennenden Kerze näher. Und dieses Ende ist ein gutes Ende. Ein Fest mit Lichterglanz und Geschenkeglück, Kinderlachen und Kindheits­erinnerungen. Dennoch bringt das Warten im Advent Herausforderungen mit sich. Weihnachtsartikel gibt es ab Oktober, Weihnachtsmärkte beginnen vor Totensonntag, Weihnachtslieder erklingen bereits am ersten Advent. Oft wird schon gar nicht mehr...

Ein Herz voll Erbarmen

Die Mutter hält das Kind auf ihrem Schoß, es liegt in ihrer Armbeuge. Mutter und Kind schauen sich in die Augen. Das Kind greift nach dem Handgelenk der Mutter und saugt an ihrer Brust. Die Freundinnen sind zu Besuch. Sie stehen und sitzen neben der Mutter und ihrem Kind. Die eine von ihnen hält den Brei bereit. Sie staunen unentwegt das Kind an. Es muss glücklich sein, so zufrieden wie es da liegt. Die Mutter muss glücklich sein über das Geschenk des Lebens auf ihrem Schoß. Lange hat sie auf dieses Kind gewartet. Jahr für Jahr war alle vier Wochen ihr Traum zerronnen, dass neues Leben in ihr wachsen könnte. Was hätte sie darum gegeben, endlich mit dem Warten aufhören zu können. Aber der Kopf konnte dem Herz die Hoffnung nicht ausreden, die immer wieder von neuem enttäuscht wurde. Mit der Zeit stumpfte ihr Herz ab. Der Schmerz wird schwächer, wenn er einen ständig begleitet. Aber das Fünkchen Hoffnung glomm weiter. Sie mochte und konnte es nicht austreten. Vielleicht eines Tages … ...

Neuanfang am Jordan

Der Mann war ein Ereignis. Ein Aussteiger, den man gesehen haben musste. Allein schon wie er lebte: Außerhalb der Stadt mit ihrem geregelten Alltag. Fern der ach so guten Sitten. Gegen alle Gewohnheiten. Er war anders als die feinen Priester, die in ihrem Tempel feierlich und geheimnisvoll die Opfer vollzogen. Und er war auch ganz anders als die bedächtigen Schriftgelehrten, die jedes Wort des Gesetzes zerkauten. Johannes, so hieß der Mann, war einer, der deutliche Worte sprach: „Seht auf euer Leben. Seht auf das, was ihr tut und sagt. Und seid ehrlich zu euch. Dann werdet ihr erkennen: Ihr lebt für euch und nach eurem Willen und hofft, so euer Glück zu finden. Aber ihr irrt euch. Schaut euch mit den Augen Gottes an. Fragt nach dem, was er von euch will. Ändert euer Leben. Richtet es auf Gott aus. Nur dann werdet ihr selig.“ Er sprach deutliche Worte. Zu jedem, egal ob es nun eine bodenständige Bäuerin oder eine Dame aus dem Königshaus, ein übernächtigter Hirte oder ein mächtiger Geset...